Johanneskirche

Die Kirche war ursprünglich Johannes dem Täufer geweiht und müßte Johanniskirche heißen.

Die Sage vom Bau der Kirche

Wie alt ist unsere Grüntaler Kirche?
Nach einer Sage, ließen die Herren von Grüntal (der Ortsadel) die Kirche im 13. oder 14. Jahrhundert bauen. Die Kirche sollte ursprünglich auf der gegenüberliegenden Anhöhe (im Gewand Hofenacker) errichtet werden. Ein Teil des Baumaterials wurde an dem Platz bereit gestellt. Wie staunten die Bauleute, als am anderen Morgen das Material verschwunden war und durch unbekannte Kräfte an anderer Stelle, nämlich hier, wo heute die Kirche steht, abgelegt worden war.
Natürlich haben die Handwerker und Bürger die Steine und Balken am anderen Tag wieder zurück zum vorgesehenen Bauplatz transportiert. Dieser Vorgang wiederholte sich mehrmals bis ein beherzter Zimmergeselle der sich als Wächter anbot des anderen Tages tot auf dem Bauholz aufgefunden wurde. Nun gaben die Verantwortlichen ihr Bemühen auf und erbauten an dieser Stelle das Gotteshaus. Die Kirche wurde Johannes dem Täufer geweiht.

Zum Andenken an den Toden ließ die Gemeinde den Kopf in Stein hauen und am Westgiebel der Kirche mit Blick zum vorgesehenen Baugelände anbringen. Seit 1960 auf der Nordseite des Turmgiebels.

Urkundlich wurde die kleine Kirche (Kapelle) mit ihrem relativ wuchtigen Turm, nach der Reformation erwähnt.15.Feb.1535 Die Fresko-Malereien im Chorraum, die unter einer Putzschicht bei der Renovierung 1958-1960 gefunden wurden, werden von Kunstsachverständigen und Restauratoren in die Jahre um 1450 datiert. Historiker vermuten den Turm als Wehrturm. Es wurde aber von keiner Nutzung bei kriegerischen Handlungen berichtet.

Nach der Reformation 

Nach der Reformation, wurde im Jahr 1534 die Kaplanei im Kirchspiel Dornstetten aufgehoben. Der neu ernannte evang. Pfarrer hatte außer in Dornstetten in Hallwangen, Grüntal und Wittlensweiler zu predigen. Durch schlechtes Wetter und durch die Dornstetter Verpflichtungen konnte in Grüntal oft kein Gottesdienst gehalten werden. Dieser Mißstand veranlaßte die vorher genannten Gemeinden und Untermusbach 1559 und 1560 die Bitte um eine Pfarrstelle an Herzog Christoph zu richten. Der Herzog stimmte zwar zu, doch weigerte er sich strikt den Pfarrhaus Bau durch die Staatskasse zu finanzieren.
Geldmangel verzögerte die Einrichtung der Pfarrei Grüntal. Hagelschlag, Mißernten und Viehseuchen schädigten in großem Maße die Bittsteller so, daß diese nicht mehr zu ihrem Angebot stehen konnten beim Pfarrhaus Bau mit aktiv zu werden. Im Winter 1581 /1582 sollten zwei kleine Kinder zur Taufe in die Kirche nach Dornstetten gebracht werden. Diese sind auf dem Weg dorthin erfroren .

1582/1583 wurde das Pfarrhaus gebaut und am 17.Okt 1583 Herr Abraham Schauber zum erster Pfarrer in Grüntal ernannt. 1700 wird berichtet: Das Pfarrhaus ist eingefallen.1702 wurde das jetzige Pfarrhaus gebaut.

Bau durch Heinrich Schickhardt 

Aber die Johannes-Kirche war für die auf etwa (im Jahr 1590) 700 Seelen angewachsene Gemeinde viel zu klein. Aach, Benzinger-Hof, Frutenhof, Grüntal, Hallwangen, Untermusbach und Wittlensweiler gehörten nun zum Kirchspiel. Sonntag für Sonntag standen 30-40 Menschen vor der Kirche. An Festtagen sollen es bis 100 Menschen gewesen sein die keinen Einlaß bekamen und am Gottesdienst nicht teilnehmen konnten.
Der Herzog Ludwig gab nach mehreren Bitten der Gemeinden und der kirchlichen Verwaltung und auf den Hinweis, daß die Gemeinden lieber wieder katholisch werden möchten, im Okt.1591 an den herzoglichen Baumeister Georg Beer den Auftrag mit der Bauplanung und einer Kostenberechnung für eine größere Kirche in Grüntal zu beginnen. Georg Beer hat vom 27. bis 30.Okt 1591 drei Baupläne, nämlich Grundriß, Aufriß und Gesamtansicht gefertigt.

Er hat 1592 seinen hoch talentierten Mitarbeiter Heinrich Schickardt nach Grüntal geschickt und diesen mit der Beaufsichtigung des Baues und der Bauabrechnung beauftragt. Heinrich Schickhardt war zu der Zeit hauptsächlich mit der Planung und dem Wiederaufbau des abgebrannten Städtchens Schiltach beschäftigt. Heinrich Schickardt war ja bekanntlich dann 7 Jahre später von Herzog Friedrich I mit dem Bau der Stadtanlage Freudenstadt beauftragt worden.

Im April 1592 wurde mit den Abbrucharbeiten an der alten Kirche und dem Neubau der neuen größeren Kirche begonnen. Erhalten blieben der Turm und der Chor alles andere wurde abgetragen. Stärkere Fundamente waren erforderlich. Die Kirche wurde auf die heutige Größe gebracht.

Es war ein großer Glücksfall für Grüntal, daß Heinrich Schickhardt die Bauüberwachung hatte. Es wurde das gemacht, was nötig war. Die Bauabrechnung vom 18. Januar 1593 ist um 50% höher ausgefallen, als der Kostenvoranschlag von Georg Beer.

Symentrische Anordnung von Chor und Langhaus. (Heute asymetrisch.)
(1593 wurde im Turm eine Schlaguhr eingebaut. Diese wurde 1959 erneuert.)
Der Taufstein stammt von Heinrich Schickhardt. (Fischblasenornamente)

Der 30jährige Krieg

Im 30 jährigen Krieg litten Menschen der Gegend an Pest, an militärischen Aktionen, Grüntal lag damals an der Hauptstraße Stuttgart - Strasbourg und litt nach der Schlacht von Nördlingen an großen Repressalien. Viele Menschen fielen dem unglückseligen Krieg zum Opfer. Das Kirchspiel verlor zwei Drittel der Bevölkerung (Etwa 600 Personen).

Daß in dieser schweren Zeit so gut wie nichts an der Kirche zu deren Erhalt gemacht wurde, ist verständlich. Der Besuch der Gottesdienste erfolgte nach dem 30 jährigen Krieg zusehends unter Gefahr für Leib und Leben.

Weitere Bauphasen 

Ende Februar 1668 brachte ein Sturm das Kirchendach zum Einsturz. Die gesamte Inneneinrichtung, Kanzel und alle Bänke wurden damals zerschmettert. Von der Inneneinrichtung Schickhardts war einzig der Taufstein erhalten geblieben. Um die Kirche wieder aufbauen zu können, gab jede Familie des Kirchspiels mehr als einen Taglohn. Das meiste Geld kam durch eine Sammlung in den Ämtern Tübingen, Böblingen, Herrenberg, Calw, Nagold und Alpirsbach zusammen.

1728 zeigten sich auf der nördlichen Chorseite erneut Risse und in dem Jahr brach ein Stück Mauerwerk ein. In den folgenden Jahren stellten sich weitere Mängel an Turm und Schiff ein. Am 16. und 18. Januar 1739 drückte ein Sturm mehrere Kirchenfenster ein. Eine schnelle und gründliche Renovierung wurde jetzt unerläßlich. Der damals amtierende Pfarrer Johannes Hipp packte die Sache mit großem Elan an. Auf sein Bitten erhielt das Kirchspiel ein herzogliches Sammelpatent für das In- und Ausland. Verschiedene Kollekteure wurden verpflichtet. Spenden kamen damals von vielen Gemeinden. Unter anderen seien Amsterdam und Moskau erwähnt.(Moskau mit 12 Rubel)

INFO zur Spende

Im Jahr 1992 konnten durch Pfv.Quast in Moskau eine Spende der Kirchengemeinde Grüntal-Frutenhof-Musbach von DM 2500.- an die Evang. Kirchengemeinde Peter und Paul in Moskau übergeben werden (Etwa der Gegenwert der 12 Rubel.)

Damals wurde außer Renovierungsarbeiten auch der Chor verbreitert. Die Seitenempore war damals schon eingebaut. Eine Orgelempore wurde jetzt zusätzlich für die erste Orgel über dem Chor vorgesehen. Die Seiten -und die Orgelempore wurden 1955 bis 1960 entfernt.